Der Contrapunkt ist eine Kompositionstechnik, in der mehrere eigenständige Stimmen gleichzeitig geführt werden und in ihrem Zusammenklang ein komplexes Gefüge bilden. Er erzeugt eine Struktur, die nicht aus der Dominanz einer einzelnen Linie entsteht, sondern aus dem Verhältnis vieler gleichberechtigter Elemente. Der Contrapunkt ermöglicht es, Komplexität zu ordnen, ohne sie zu vereinfachen, und Vielheit als strukturierte Gleichzeitigkeit erfahrbar zu machen.
In den vorliegenden Arbeiten wird der Contrapunkt auf die Bildhauerei übertragen. Tausende geometrische Holzelemente werden zu kurvenförmigen Bändern geschichtet, die sich wie eine Polyphonie im Raum ausbreiten. Ihre verschachtelten Verläufe beruhen auf den mathematischen Prinzipien barocker Fugen. Jede Kurve entspricht einer Note, sodass die Abfolge von Kurven unterschiedlicher Größe einer Melodie im Raum gleicht. Die Skulpturen machen musikalische Strukturen sichtbar und entfalten ein räumliches Gefüge, in dem sich Wiederholung, Variation und Gleichzeitigkeit als plastische Form manifestieren.